Wiederholte spontane Fehlgeburten (WSA)


Etwa 3-5% aller Frauen entwickeln 2 und mehr aufeinander folgende Fehlgeburten (WSA, habituelle Aborte). Während das Wiederholungsrisiko nach der ersten Fehlgeburt gering ist nimmt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Fehlgeburt nach jeder weiteren deutlich zu.
Das Ziel der erweiterten Abklärung ist einerseits der Ausschluss einer immunologischen Störung aber auch eines eingeschränkten Blutflusses in den kleinsten Gefäßen (Mikrozirkulation) die im Bereich des Mutterkuchens aufgrund von Funktionsstörungen und Minderversorgungen eine Fehlgeburt auslösen können. Darüber hinaus ist im Einzelfall zu prüfen, in wie weit eine Gerinnungsdiagnostik zu Klärung der wiederholten Fehlgeburten sinnvoll ist.
Allerdings wird die auch heute noch weitverbreitete Verfahrensweise zu umfangreichen Gerinnungsuntersuchungen einschließlich der Abklärung auf erbliche Gerinnungsstörungen mittlerweile in keiner einzigen Leitlinie der verschiedenen internationalen gynäkologischen Gesellschaften mehr empfohlen sondern sogar davon abgeraten. Dies betrifft auch  die Gabe eines Heparins während einer künftigen Schwangerschaft zur Verhinderung einer erneuten Fehlgeburt. Grund hierfür ist, dass inzwischen in sogn. prospektiven Studien - also solchen in den geprüft wird ob Frauen mit gegenüber Frauen  ohne Gerinnungsauffälligkeiten häufiger Fehlgeburten entwickeln - keine Unterschiede in der Zahl der Fehlgeburten beobachtet werden konnte und auch durch den Einsatz von z.B. Heparin die Zahl erfolgreich ausgetragener Schwangerschaften nicht verbessert wurde. Allein "erworbene immunologische Gerinnungsstörungen" sind annerkannte Ursachen für wiederholte Schwangerschaftskomplikationen einschließlich Fehlgeburten die auch einer vorbeugenden Therapie zugeführt werden können und sollten.
Mittels erweiterter Abklärungsdiagnostik werden bei etwa 80% aller Frauen mit wiederholten Fehlgeburten potentielle Ursachen ausfindig gemacht, die Ansatzpunkte für eine Behandlung sein können.

 

Wann ist eine Abklärung sinnvoll?

  • Sie hatten 2 oder mehr Fehlgeburten.
  • Sie sind 35 Jahre alt oder älter und hatten mindestens 1 Fehlgeburt.
  • Sie haben im Anschluss an eine Geburt 2 oder mehrere Fehlgeburten (Sekundäre Abortneigung).
  • Sie hatten eine späte Fehlgeburt nach der 12. Schwangerschaftswoche.

 

Was sollte im Vorfeld bereits abgeklärt werden?
Im Vorfeld einer weitergehenden Ursachenabklärung für wiederholte Fehlgeburten sollten folgende Untersuchungen bereits vorliegen:

  • Humangenetische Untersuchung beider Partner zum Ausschluss eines gestörten Chromosomensatzes.
  • Schilddrüsendiagnostik und gegebenenfalls Einstellung der Schilddrüsenhormone.
  • Ausschluss einer schweren Gebärmutterfehlbildung.

 

Die Weitergehende Abklärung setzt sich aus 4 Teilbereichen zusammen:

  • autoimmune Erkrankungen.
  • erworbene Gerinnungsstörungen; Ausschluss einer globalen verminderten oder erhöhten Gerinnungsneigung.
  • Störungen der mikrozirkulatorischen Blutflusseigenschaften.
  • immunologische Abstoßungsreaktionen.


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